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Stimmen von drüben - 60 Jahre Tonbandstimmen-Forschung

in Grenzwissenschaften 04.12.2012 00:12
von Sandy-GHA | 277 Beiträge | 322 Punkte

Im September vor 60 Jahren wurde die erste Stimme aus dem Jenseits vernommen und sogar aufgezeichnet. Es war eigentlich keine "Tonbandstimme" (so nannte man die Aufnahmen von drüben später), da frühe Magnetofone anscheinend mit einem Draht arbeiteten.

Im Labor für experimentelle Physik der katholischen Universität Mailand saßen an jenem 12. September 1952 Pater Agostino Gemelli - Gründer der Universität und Präsident der Päpstlichen Akademie - und Pater Pellegrino Ernetti, Physiker und Spezialist für polyphone Musik aus Venedig. Die beiden wollten aus benediktinischen Chorälen Harmonien herausfiltern, aber das war mit der damaligen Ausrüstung schwierig, und immer wieder riss der Draht. Und Gemelli riss der Geduldsfaden.

Vor ein paar Jahren war sein Vater gestorben, und seither rief er ihn immer wieder an. Also rief er auch nun: "Oh! Papa, hilf mir!" Nach der erfolgten Reparatur hörten sich die beiden Patres die Aufnahme erneut an, doch anstatt des Chorals vernahmen sie verblüfft eine deutliche Stimme: "Aber sicher helfe ich dir, ich bin immer bei dir!"

Was für ein Schock! Sie machen sich wieder an die Arbeit, und beim nächsten Abhören klingt es so: "Aber ja, zuccone, begreifst du nicht, dass ich es bin?" Zuccone, das war der Kosename des Vaters für den kleinen Agostino. Die beiden Patres zögern nicht und gehen zum Papst. Pius XII. aber beruhigt sie. Er soll gesagt haben: "Mein lieber Pater, bleiben Sie ruhig! Dies ist ein streng wissenschaftliches Faktum und hat mit dem Spiritismus nichts zu tun. Der Apparat ist objektiv, man kann ihn nicht beeinflussen. Diese Erfahrung könnte den Anfang neuer wissenschaftlicher Studien bedeuten, die den Glauben an das Jenseits bestätigen könnten." (Die Episode hat übrigens François Brune in seinem Buch 'En direct de l’au-delà' erzählt, das er mit Rémy Chauvin geschrieben hat und 1996 erschienen ist.).

Der Papst behielt recht. Neue Studien entstanden, weil sich viele Privatleute mit Feuereifer an die Arbeit machten. Manchmal (aber viel zu selten) wurden auch Wissenschaftler darauf aufmerksam. In den späteren 1950-er Jahren wurden erst in Kalifornien, dann in Schweden Stimmen aufgezeichnet, und dann gab es die Tonbandstimmen bald auch in Deutschland.

Um 1957 arbeitete der kalifornische Forscher Raymond Bayless mit dem ungarischen Sensitiven Attila von Szalaj, der schon in den 1940-er Jahren Stimmen aufgenommen haben will. Bayless hörte zu, fing die Stimmen ein und schrieb 1959 einen Brief an die American Society for Psychical Research, den größten US-Parapsychologen-Verband - ohne Reaktion.

Im selben Jahr wollte der schwedische Opernsänger Friedrich Jürgenson in seinem Sommerhaus in Malmö Vogelstimmen aufnehmen, hatte aber norwegische Sätze und ein Trompetensolo auf seinem Band. Eine Stimme sagte auf Deutsch: "Friedel, Friedel, kannst du mich hören?" Das war wohl seine Mutter. Jürgenson nahm tausende Stimmen auf - guten Gewissens, denn er hatte Kontakte zum Vatikan – und schrieb 1964 ein Buch darüber.

Der lettische Intellektuelle Konstantin Raudive, in Bad Krozingen bei Freiburg wohnhaft, bekam das übersetzte Buch zu fassen, besuchte den Autor und machte sich danach selbst an die Arbeit. Auch bei ihm meldete sich bald seine Mutter: "Kostulit, hier ist deine Mutter", sagte sie. 1968 veröffentlichte Raudive das Buch Unhörbares wird hörbar, das ein großer Erfolg wurde und auf 72000 Tonbeispielen fußte.

Immer wieder lud Raudive hunderte Menschen ein, darunter auch Freiburgs prominenten Parapsychologie-Professor Hans Bender und spielte ihnen die Bänder vor: Er wollte wissen, ob sie auch hörten, was er hörte. Bender, der sonst skeptisch war, schien beeindruckt. Raudive wurde in seiner Arbeit von seiner Frau Zenta Maurina (1897-1978) unterstützt, die eine prominente lettische Autorin war (etwa: Denn das Wagnis ist schön, 1953) und bei ihm lebte, ganz nah am Krozinger Friedhof. Deren Freundin Margarete (gestorben am 10. Februar 1965) meldete sich oft: "Koste, du bist so nah!"

Aus dem Inhalt der Aussagen schloss Konstantin Raudive: "Ein Weiterleben lässt sich als Fortsetzung des irdischen Lebens verstehen." Er war 1909 geboren und starb Anfang September 1974, und er ist seither auch aus dem Jenseits äußerst aktiv. Es sind einige Anrufe von ihm aufgezeichnet worden.

Zwei Jahre später kam das Buch eines Schweizer Pfarrers auf den Markt, das den Titel trug "Wenn die Toten reden". Leo Schmid (1916-1976), der 24 Jahre seine Gemeinde in Oeschgen bei Frick betreute, hatte jahrelang Stimmen aufgenommen. Wie viele stellte er ein Radiogerät auf Rauschen, denn die Verstorbenen brauchen ein Trägermedium, damit sie ihre Stimmen erklingen lassen können. Dann schaltete er das Mikrofon ein, stellte ein paar Fragen und nahm das Rauschen auf.

Hinterher spulte er das Band zurück und hörte sich die Aufnahme an. Das kostet viel Zeit, und man braucht ein gutes Ohr, um die Stimmen herauszufiltern. Bis aber Stimmen kommen, kann es viele Monate mit fruchtlosen Versuchen dauern. Leo Schmid hatte anscheinend sogar die Erlaubnis des Vatikans, diese Experimente zu machen.

Im Klappentext zu seinem Buch heißt es: "Er starb am 28. Februar 1976, einige Tage nachdem er das vollständig bereinigte Manuskript dieses Buches dem Verlag überbracht hatte." Das ist Disziplin. Schmid war auch sonst genau und ehrlich: Wie Raudive prüfte er erst alle anderen Erklärungen, bevor er zu dem Schluss kam, dass nicht daran zu zweifeln sei, dass die Botschaften von Verstorbenen stammten.

In Wenn die Toten reden schreibt er: "Die Klangfarbe dieser Stimmen ist im allgemeinen so monoton, als ob jemand im Schlaf sprechen würde." Schmid war verblüfft wie Raudive: "Experimentator wird plötzlich beim Namen gerufen, erhält Antworten auf Fragen. Das sieht nicht nach Zufall aus."

Leo Schmid folgerte aus vielen Antworten, "dass die Wesenheiten, die das Tonband besprechen, beim Experiment unmittelbar anwesend sind." Dass diese Wesenheiten Schwyzerdütsch sprechen, muss uns nicht verwundern. Es sind ja Schweizer Verstorbene. Schmid plante eine Reise, hatte seine Koffer parat, und auf dem Band hörte er: "Du, was sind das für Koffer?" Schmid meint sogar, dass die Wesen unsere Gedanken und Absichten kennen und "eigentlich unserer Worte nicht bedürfen".

Eine weitere Aussage spricht für den wissenschaftlichen Geist Schmids. Denn ohne Abklärungen können wir ja nicht sicher sein, ob der, der spricht, der ist, als der er sich ausgibt. "Es sind Wesenheiten, die sich den Namen eines Verstorbenen beilegen oder seine Stimme gebrauchen. Außer Zweifel steht, dass es sich um nicht mehr lebende Menschen handelt."

Diese Wesenheiten sagen dann zuweilen "Lyde für me!" (Leide für mich) oder "Soll mir Liebi gäh" (Soll mir Liebe geben). Auch "Der Teufel tuet läbe" hörte Schmid, der mit dem Bibelwort "Prüfet die Geister" (1. Johannesbrief, 4,1) warnte, nicht alles für bare Münze zu nehmen. Experimente mit Tonbandstimmen sind nicht ungefährlich; schon manche psychisch instabile Menschen sind dabei verrückt geworden. Das muss gesagt werden.

Verstorbene melden sich manchmal auch über Telefon, und zu Leo Schmid passt eine weitere Geschichte aus der Schweiz, die Theo Locher in seinem Buch 'Jenseitskontakte mit technischen Mitteln' (2007) erzählt hat. Den Dialog muss ich in Schwyzerdütsch (oder Bärndütsch) wiedergeben, das ist einfach zu schön.

Theo Locher lässt eine Frau A. G. aus Biel zu Wort kommen: "Im Januar 1982 erhielt ich von meinem Vorgesetzten den Auftrag, für eine Broschüre einige Daten und Angaben zu kontrollieren und zwar über den Hinweis 'Velofahren'. Ein Herr R. hatte eine Karte herausgegeben und Fahrtrouten im Seeland organisiert. Ich wählte daher die angegebene Telefonnummer, unter welcher sich auch Herr R. meldete."

"Das Gespräch entwickelte sich ungefähr so ab, als sich eine männliche Stimme mit 'R' gemeldet hatte: 'Dir kennet sicher no die Broschüre ...' – 'Ja.' – I ha der Uftrag, verschiedeni Sache z’kontrolliere. Befasset Dir öich immer no mit dr Aglägeheit Velofahre?’ – Selbstverständli, mir tüe das wiederhole." – De chöi d’Charte immer no bi öich bezoge wärede, u ds Telefon für Uskünft isch i däm Fall gäng no s’gliiche?' – Jawohl, das isch ging no mi.'"

Locher erläutert: "Herr R. erklärte ihr dann eingehender seine organisatorische Tätigkeit, die er mit großem Einsatz ausübte. 'De wott ig öich nid lenger störe; i danke n’ech für d’Uskunft. Uf widerlose Herr R.'" Uf widerlose heißt natürlich: Auf Wiederhören. Nun kommt die Pointe.

"Ihr Chef fragte sie nun, ob sie um ein Exemplar der Velokarte gebeten habe. Sie verneinte, und nach einiger Zeit rief sie Herrn R. nochmals an, worauf sich nun eine Frau R. meldete. Frau A. G. in ihrem Bericht: "Nachdem ich mich angemeldet hatte, fragte ich Frau R., ob ich nochmals kurz mit ihrem Mann sprechen könnte; ich hätte vorhin vergessen, ihn noch etwas zu fragen."

"Nun erklärte mir Frau R., das müsse ein Irrtum sein; ihr Mann sei seit mehr als einem Jahr tot. Ich glaube nicht richtig zu hören. Aber, sagte ich zu ihr, ich hätte doch vorhin mit ihm gesprochen. Das sei kaum möglich, antwortete sie, außer ihr sei niemand in der Wohnung und außerdem komme sie gerade vom Einkaufen. Das Telefon habe, seit sie zuhause sei, bis jetzt noch nicht geläutet. Die Veloangelegenheit sei ihres Mannes ›liebstes Kind‹ gewesen." (Jenseitskontakte mit technischen Mitteln, Theo Locher, Ancient Mail Verlag 2007, Groß Gerau, S. 35/36).)

Ein wunderbares Buch ist 'Phone Calls from the Dead' von D. Scott Rogo (1950-1990) und Raymond Bayless (1920-2004), von dem wir schon gehört haben. Es erschien 1979, stellte ein neuartiges Phänomen vor - Telefonanrufe aus dem Jenseits - und stieß in der Para-Szene auf Gleichgültigkeit und Ablehnung, was uns nicht verwundern kann.

Massimo Biondi aus Rom war erst auch skeptisch, stieß dann aber auf einige italienische Fälle und fragte sich dann (1983 in einem Zeitschriftenbeitrag), ob es sich nicht vielleicht doch um ein neues Phänomen handle? In dem Buch There are no Dead führen Lisa und Tom Butler die Möglichkeiten elektronischer Kommunikation aus dem Jenseits auf: EVP (Electronic Voice Phenomena, die Tonbandstimmen), Bilder vom Fernsehen, Botschaften über Computer und Radio, Fax und Anrufbeantworter sowie die Telefonanrufe.

Sollte es nicht die eine oder andere E-Mail aus dem Jenseits geben? Darüber habe ich keinerlei Informationen. Manche verheißungsvolle Versuche werden vielleicht gleich als Spam ins elektronische Jenseits geschickt. Anrufe aufs Handy kommen wohl vor, Marcello Bacci aus Grosseto hat einige Fälle aufgelistet. Aber nun die Anrufe!

Früher gab es viel öfter Erscheinungen von Menschen in ihrer Sterbestunde: das "Anmelden". Anrufe fallen auch in diese Kategorie. Beispiel: In einem von Reverend Ralph Harlow recherchierten Fall läutete das Telefon, eine junge Frau antwortete und hörte die Stimme ihres Mannes leise "Good-bye" sagen. Dann war die Leitung tot. Kurze Zeit später wurde sie davon informiert, dass ihr Ehemann kurz nach Aufsuchen seines Büros an einem Herzanfall verstorben war. Als sie die Zeit des Anrufs mit dem angegebenen Todeszeitpunkt verglich, kam sie darauf, dass sie 30 Minuten nach dem offiziellen Tod ihres Mannes angerufen worden war.

Andere Anrufe geschehen gern an Todestagen. Der Empfänger des Anrufs ist perplex, weil die Stimme etwas verändert und tonlos klingt und er natürlich nicht erwartet, nach Jahren von einem geliebten Verstorbenen kontaktiert zu werden wie im Fall von Giuseppe, 55 Jahre, der einen Anruf bekam. "Meine Stimme sollte dir bekannt vorkommen. Kennst du mich nicht? - Nein. - Kennst du mich wirklich nicht?" Erst später merkte Giuseppe, dass ihn die Stimme an seine Mutter erinnerte, die an jenem Tag vor 12 Jahren verstorben war.

Rogo und Bayless haben die Geschichte einer Frau, die Jahre nach dem Tod ihres Sohnes in den Bergen - wieder am Todestag - von diesem angerufen wurde, und die Verbindung war schlecht, Stimmen waren im Hintergrund zu hören, und er sagte mehrmals: Ich liebe dich.

Und dann gibt es noch die Geschichte der Anrufe von Lebenden, die gar nicht getätigt wurden. Jemand nimmt es sich vor oder stellt sich vor, einen Anruf zu tun – und erfährt, dass sein Anruf anscheinend wirklich geschah! Solche Geschichten sind mir auch schon berichtet worden. Oder: Jemand will sich das Leben nehmen, und eine Stunde vor der geplanten Tat wird er angerufen, und eine Männerstimme sagt: "Es ist noch nicht Zeit."

Oft klingt das Läuten irgendwie anders oder der Operator, den es in den USA lang gab, kann sich nicht an ein Gespräch erinnern. Es wird sein wie mit den Tonbandstimmen: Das Telefon wird eigentlich ebensowenig benötigt wie das Tonband, aber da die wenigsten medial begabt sind, muss die Geisterwelt deutlich werden. Aber eins ist klar: "Phone Calls from the Dead" sind äußerst selten.

Wer Genaueres über die Stimmen wissen will, sollte das ausgezeichnete Buch "Instrumentale Transkommunikation" von Ernst Senkowski lesen. In den vergangenen 30 Jahren ist die Technik natürlich viel besser geworden, und auf der ganzen Welt wuchs die Zahl derer, die die Stimmen Verstorbener aufnehmen: Es mögen viele Tausende sein. Die portugiesische Diplomatin Anabela Cardoso, die seit 1998 unaufhörlich Stimmen aufnimmt, war in ihrem Buch "Electronic Voices" von 2010 sehr optimistisch. Sie schrieb: "Vielleicht ist der Tag nicht mehr fern, an dem - wie meine Kommunikatoren prophezeiten - der Kontakt von uns zu ihrer Welt etwas Alltägliches ist.'

Über den Autor
Manfred Poser (1957) studierte in seiner Geburtsstadt München Journalistik und war Nachrichtenredakteur bei dpa Hamburg (1985-1991). Danach war er Mitarbeiter am "Institut für Grenzgebiete der Psychologie" in Freiburg (1994-99) und freier Autor in Rom (bis 2004) sowie in St. Gallen (Schweiz).
Er ist Autor zahlreicher Bücher, darunter "Geister sind auch nur Menschen" (1997), "Halluzinationen und Grenzerfahrungen im Alpinismus" (1998), "Phantome der Berge" (1998), "Außer sich" (2005), Mörderisches Rom (Roman, 2007).


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